Direkt zum Hauptbereich

Oma erzähl doch mal

Zweimal im Jahr bringt mich meine ferne süddeutsche Enkelin ziemlich in Verlegenheit. Sie will z.B. wissen, was für ein Typ ihr unbekannter Stasi-Opa als Mensch so gewesen ist. Oder warum sie von einer Tante immer nur beiläufig am Rande erfährt und die nie zu Gesicht bekommt. Oder (ganz heikel) warum ich von all den in der Jugend mal probierten Männern nie einen auf Dauer behalten habe. Und so weiter. Ich versuche dann in der Regel durch Eröffnung eines anderen Themas von weiteren indiskreten Nachfragen abzulenken. Eine Nachfrage nach ihrem Freund funktioniert fast immer.

Meli sammelt hier nur Quitten. Aber sie ist auch ständig auf
der Suche nach Wissen über ihre Herkunft und ihre Familie..   
Eine der Töchter hatte es vor Jahren schon mal mit dem sprichwörtlichen Wink mit dem Zaunspfahl versucht und mir zur Adventszeit ein Buch mit leeren Zeilen und dem Titel "Oma erzähl doch mal aus deinem Leben" ins Päckchen gepackt. Das Teil enthielt jedoch  Fragen wie "Wer war dein erster Freund?" oder "Was ist deine Lieblingsfarbe?". Und so habe ich es seinerzeit ins weit entfernteste Eck - nämlich auf den Dachboden verbannt. Nein, ich wollte meine Geheimnisse nicht preisgeben. Und erst recht nicht den Nachkommen was von meinen eigenen Pleiten, Pechs und Pannen erzählen.

Wild durcheinander und meist unbeschriftet liegen sie derzeit noch in der
 Fotokiste: all die Tanten und Onkel, Cousins und Eltern, Geschwister usw.
 
Keiner meiner Kinder und Enkel würde auf diesen Fotos die eigenen Blutsverwandten erkennen. Denn schon die Eltern haben weder brav Alben beklebt und beschriftet noch waren in unserer eigenen Kindheit Nachfragen nach dem fernen und bösen Papa oder gar dessen Verwandten genehm. Es gab auch keine Familienfeste oder -treffen. Lediglich die heute 93-jährige Tante Sigrid hat mir vor Jahren mal einige Bilder aus ihren Alben zukommen lassen. Die ich heute hoch schätze. Doch die liegen zwischendrin in der wilden Fotokiste. Keiner - nach mir - kennt die Leute auf den Bildern. Ich sollte die doch endlich mal sortieren - für meine Enkel und &.


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Platz schaffen für Neues

Keine Frage: wir Menschen sind immer noch Sammler und Jäger. Nur jagt und sammelt man heute anders: nämlich kaufbare Güter aller Art.  Wir Frauen waren immer schon Sammler. Hier eine Sammlerin im kleinen und feinen Urmenschen   Museum in Steinheim entdeckt.  Wenn wir Hundefreundinnen uns dienstags treffen, zeigt man sich kurz neue Schnäppchen auf dem Handy herum. Mit der Zeit sammeln sich irgendwann ziemlich viele - auch etliche "Nichthundedinge" - an. Alles (ob Joghurtbereiter, Bastelzubehör, Fliegenwedler oder elektrische Gartenhacke) braucht Platz. Aber beschänken wir uns vorerst auf  Hundesachen. Selbst für die ist nicht einmal bei Hausbesitzern Stauraum unendlich verfügbar.  Das geht schon bei den Klamotten für Frauchen und Herrchen los. Der ganzjährig Gassi gehende und ländlich lebende Hundebesitzer benötigt für sich und die dreimal täglichen Gänge robuste Sommer-, Herbst- und Winterregensachen inklusive Gummi- Winter- und Wanderschuhen. Und die Stirnlampe...

Zwei höfliche Jungs

Manchmal gibt es spannende Begegnungen und Beobachtungen quasi vor der Haustür. Hier hatte ich mit der schwarzen Casey für ein paar Stunden einen Gasthund.   Na ihr Mädels, lasst doch mal riechen Und dabei war der Freilauf zwischen Dorf- und Feldrand für die 13-jährige Besuchshündin schon ein Abenteuer und für uns beide Training. Muss doch der Abruf bzw. das Dirigieren an den Grünstreifen schnell und prompt klappen, wenn Autos diese Spielstraße nicht langsam genug herankommen. Mein Cockerchen Darja - Vorzeigehund solange kein jagdbegeisterter Artgenosse animierend mitläuft - machte ihre Sache gut. Und dann kamen zufällig aus dem Nachbarort die großen Jungs mit ihrem Herrchen. Beide größer und dreimal schwerer als die Mädels. Beide begeistert, unterwegs mal wieder Artgenossen zu treffen. Beide aber auch gehorsam und gut sozialisiert. Sonst hätte ich diese Situation nicht  so "laufen" lassen.     Soziale Kompetenz wird bei der Kontaktaufnahme deutlich. Da wir...

Warum Rentner nie Zeit haben

 Das liegt unter anderem an lauter neuen Herausforderungen der neuen Zeit. Nehmen wir nur mal die bestellte Gartenbox. Ein einfaches Klicksystem stand in der Beschreibung bei der Bestellung. Allerdings erwies sich die Gebrauchsanleitung als ein Bilderrätsel.  Was ist hinten? Was vorn?  Einmal falsch gesteckt - und nicht mehr korrigierbar Kurz mal Klick und Klack und schon sollte die etwas wacklige Plaste zusammen gesteckt sein. Denkste! Einmal ein Teil zu zeitig falsch gesteckt und schon geht nichts mehr in Richtung Fertigstellung. Es kostete mich zweimal eine Stunde sowie zwei lange Verschnauf- und Denkpausen und gefühlt einen Liter Schweiß ehe die Gartenbox dann doch fertig war. Zwischenzeitlich hatte ich sogar an meinem Verstand gezweifelt. Bis dann alle örtlichen Hundefreunde bekannten, das der Zusammenbau von Gartenboxen auch für sie eine zeitliche und geistige Herausforderung gewesen ist.  Ein anderer Zeitschlucker: Meine liebste Freundin hat eine große Feier. ...