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Es ist Jagdzeit

Wenn sich die Dunkelheit nachmittags schon in der vierten Stunde anschleicht und der eisige böhmische Wind stramm von Osten aus dem tschechischen Isergebirge herüber bläst, dann ist Jagdsaison. Nein, ich bin kein Jäger, aber höre jetzt hin und wieder trockene Schüsse hallen. Zu Zeiten, wo ich mit meinen Hunden in Wald und Flur unterwegs bin.

Diese beiden "Möchtegern-Jäger" brauchen jetzt besondere Wachsamkeit. 
Meine kleinen, kuschligen, netten - in der Regel auch gehorsamen - Cocker Spaniels (wurden übrigens einst in Britannien zur Jagd als stöbernde Gehilfen fürs Niederwild gezüchtet) - sie sind auch nach 188 späteren Generationen und ihrem momentan "verkauften" Image reiner  Familienkuschelhunde immer noch Jäger. Es ist ihre Passion. Sobald z.B. unterwegs ein Falke schreit oder ein Reiher über uns kreist, dann senkt mein Brummelbruno seine Hinterhand und schaut startbereit nach oben. Selbst, wenn abends in unserer Stube vom Fernseher aus ein Vogelruf ertönt. Supernäschen Darja wiederum zeigt uns allen gern, wo gerade eben ein Reh, ein Häschen oder die Fasane vorbei gelaufen sind. Und wo die jetzt hinlaufen. So nach dem Motto: "Mir nach, wer ein Jäger ist!!"
Da sie aber ein großer Feigling vor dem Herrn ist, pfeift sie nur ab in die Büsche oder über den Acker, wenn ein Kumpel zur Verstärkung mitrennt.

Supernase Darja. Sie ist in der Regel die Anstifterin.
Wehe also, ich reagiere unterwegs eine Viertelsekunde zu spät oder schätze die Lage mal  falsch ein. Dann sind sie halt wieder mal kurz weg - meine zwei Kuschelcocker. So für fünf bis zehn Minuten. Passiert so aller sechs bis acht Wochen. Für mich zwar nicht mehr der Anlass für Herzinfarkt oder Schnappatmung, aber von Gewöhnung auch keine Rede sein. Ich bin zwar nicht so blöd bin, den Hunden dann noch hinterher zu rufen, aber murmle dann heimlich folgende drei Stoßgebete an höhere Mächte:
  • Lass bitte das hiesige Wolfsrudel  jetzt gerade anderweitig beschäftigt sein
  • Herr im Himmel, lass auch keine schießwütigen Jäger jetzt ansitzen
  • Und, lass kein Auto kommen, falls die Cocker noch über ne Straße hechten 
Bisher hatte ich Glück. Die beiden Hobbyjäger kamen immer fast heil zurück. Mit auf dem Boden schleifenden Zungen, völlig verdreckt wie gesuhlte Schweine, manchmal humpelnd oder mit eingedrehten Dornen, aber stets seligen Blickes. Denn während ich mit Panik im Bauch sorgend und wartend in der Pampa zwischen Kreislaufkollaps und Mordgelüsten schwankte, haben Darja und Bruno sich ihren glücklich machenden Rausch erstöbert. Aus solchen und ähnlichen Gründen laufen vermutlich nach Jagdausflügen viele Hunde (manche sogar lebenslänglich) an der Leine rum. Lebenslänglich Leine drohe ich meinem Duo Infernale übrigens auch nach manch unerlaubter Jagd inbrünstig an.  Leine dann aber nicht mal die Rückkehrer an. Warum auch? Sie sind ja wieder hier. Und zwar in einem Zustand, in dem sie nicht mal mehr einem  hinkendes Wildkaninchen nachsetzen wollen würden. 


Dennoch gibt es einige Tage nur noch die lange Flex.
Und Ansagen.Erst für beide, dann wechselseitig für jeden. 

Die Tage danach sind jedes Mal die der guten Vorsätze: Ist so etwa mit dem Abnehmen! Man ist wild entschlossen und sucht ein genehmes Rezept. Dann klappt alles bestens und man möchte die Sache wenigstens etwas abkürzen.  Oder findet einen funktionierenden Kompromiss. Bei mir ist das: ein Cocker frei und der andere an der Leine. Das wechselseitig und mit Spieleinlagen oder Gehorsamsaufgaben nterwegs. Leider lasse ich über kurz oder lang dann auch wieder den zweiten Plüschjäger los. Was über kurz oder lang ja auch funktioniert,

Es sei denn, die Rehe tauchen auf unserer Runde auf.  


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