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Der vorletzte Winter auf dem Dorf



Der Weg hinter meinem Haus nach etwas Neuschnee. 

 Immer im Winter möchte ich lieber in der Stadt wohnen. Wo die Wohnungen zentralgeheizt und die Wege von anderen als von mir geräumt und gestreut werden.  Wo Straßenlaternen leuchten und man in der Nähe einfach in Busse und Bahnen steigen kann.  Oder bummelnd einkaufen oder auf einen Kaffee einkehren kann.   "Überleg dir das gut", sagen dann immer Freunde und Töchter, "da kannst du dann nicht mehr mit dem  Hundchen einfach vor die Tür und bist fix im Busch". Das stimmt natürlich. Aber ich müsste auch keine schweren Mülltonnen mehr bis an die Straße ziehen. Und nicht mehr all die kleinen Gassen oder Straßenränder entweder bergan oder bergab. Was im Winter kein Vergnügen ist.  Tauen tagsüber die Schneeränder am Straßenrand tauen, sickert das Wasser quer und schräg rüber. Sind diese Rinnsale abends wieder gefroren, kann man auf Po und Nase fallen.  Nur plumpst man halt als Omas mit oft bösen Folgen. Also tippel ich im Winter oft fluchend durchs hübsche Dörfchen und wünsche mich in die Stadt.  

Sobald aber der Sommer naht, ändern sich meine Wünsche wieder. Ist es doch so wunderschöne kühl im Haus. Sitzt es sich doch so lauschig mit den Hundefreunden in der Laube hinterm Haus usw. Über diesen  unterschiedlichen Sommer- Winteransichten sind schon ein paar Jahr ins Land gegangen. Jahre, in denen ich immer älter geworden bin.  Und sich diverse Einschränkungen auch mit dem größten Optimismus perspektivisch nicht mehr schönreden lassen. Nun kann man ja paar Schmerztropfen mehr nehmen und die Augen tapfer davor verschließen, dass nicht nur das Mülltonnenziehen, sondern auch das Autofahren irgendwann  nicht mehr gehen werden. Aber alles laufen lassen und warten, bis der Pflegedienst kommen muss? Oder nach einem Sturz gar ganz ohne eigene Wahl  ins Pflegeheim verfrachtet werden? Ich habe Zeit meines Lebens die Dinge gern selbst in die Hand genommen.  Alles hat seine Zeit. Jetzt ist es Zeit das Häuschen zu verlassen und sich bequemer im Alter einzurichten.    

Die Straße des Lebens - sie führt irgendwann auch bergab.

  



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